SAP Business AI Platform (BAIP) — Architektur und Beratung
Auf der Sapphire 2026 hat SAP die Business Technology Platform zur SAP Business AI Platform umbenannt. Dahinter steckt mehr als ein Etikett: BTP, Business Data Cloud und Business AI werden zu einer gemeinsam regierten Umgebung zusammengezogen. Wir ordnen ein, was davon Ihre Landschaft betrifft und was Marketing ist.
Was der neue Name tatsächlich bedeutet
SAP BTP verschwindet nicht. Die Plattform bleibt als Fundament bestehen und liegt innerhalb der Business AI Platform unter zwei weiteren Ebenen: Business Data Cloud für den Datenzugang und Business AI für Modelle und Agenten. Wer heute BTP-Dienste bucht, nutzt damit bereits den unteren Teil von BAIP.
Hart umbenannt wurde bislang vor allem die Partner-Kompetenz: Aus der BTP-Competency wurde zum 30. Juni 2026 die BAIP-Competency, bestehende Partner wurden automatisch überführt. Für Januar 2027 hat SAP angekündigt, die dazugehörigen Zertifizierungen und Fähigkeiten genauer zu definieren.
Drei Ebenen, drei Sorten von Entscheidungen
Auf der Plattformebene entscheidet sich, was neben dem Kern läuft und wie es mit ihm spricht — die klassischen Clean-Core-Fragen. Auf der Datenebene entscheidet sich, welche Daten überhaupt in Reichweite eines Modells kommen. Auf der KI-Ebene entscheidet sich, was ein Agent im Namen eines Anwenders tun darf.
Diese drei Fragen werden in Projekten gern vermischt, gehören aber verschiedenen Rollen. Wer sie zusammenwirft, baut entweder eine KI ohne Datenzugang oder einen Agenten ohne Berechtigungsmodell. Beides fällt erst im Betrieb auf.
Der Datenzugang ist die eigentliche Arbeit
Die Business Data Cloud verspricht einen einheitlichen Blick auf Unternehmensdaten. In der Praxis stellt sich weiterhin dieselbe Frage wie bei jeder Integration: Was wird repliziert, was wird zur Laufzeit gelesen, und wer ist die führende Quelle. Diese Entscheidung bestimmt Antwortzeiten, Konsistenz und Kosten gleichzeitig.
Für KI kommt eine Frage dazu, die es vorher nicht gab: Was ein Modell sehen darf, ist nicht identisch mit dem, was ein Anwender sehen darf. Berechtigungen müssen bis in den Abrufpfad durchgereicht werden, sonst beantwortet der Assistent Fragen zu Daten, für die der Fragende keine Freigabe hat.
Agenten brauchen Grenzen, nicht nur Prompts
Mit dem AI Agent Hub und Joule Studio rückt SAP von einzelnen Assistenten zu Agenten, die Schritte selbst ausführen. Damit verschiebt sich das Risiko: Ein falsch geratener Text ist ärgerlich, eine falsch ausgelöste Buchung ist ein Vorfall. Welche Aktionen ein Agent auslösen darf, welche eine Bestätigung brauchen und was protokolliert wird, gehört vor die Einführung.
Was das für laufende BTP-Projekte heißt
Kurz gesagt: nichts Dringendes. Bestehende Dienste laufen weiter, Verträge und Verbrauchsmodelle ändern sich durch die Umbenennung nicht. Sinnvoll ist die Umstellung der eigenen Sprache in Ausschreibungen und Architekturpapieren, damit Unterlagen in zwei Jahren nicht nach einem eingefrorenen Stand aussehen.
Handlungsbedarf entsteht dort, wo ohnehin gerade entschieden wird — bei einer anstehenden S/4HANA-Einführung, einer Integrationsplattform-Entscheidung oder dem ersten KI-Anwendungsfall. Dann lohnt es sich, die Zielarchitektur gleich entlang der drei Ebenen zu schneiden.
Häufige Fragen
Ist SAP BTP damit abgeschafft?
Nein. SAP BTP besteht als Fundament der Business AI Platform weiter und wird weiterhin so genannt. Die Business AI Platform ist die übergeordnete Klammer, die BTP mit Business Data Cloud und Business AI zusammenfasst. Wer BTP-Dienste nutzt, muss nichts migrieren.
Was genau wurde wann umbenannt?
Auf der Sapphire 2026 hat SAP die Business Technology Platform als SAP Business AI Platform, kurz BAIP, neu positioniert. Verbindlich vollzogen ist die Umbenennung bisher bei der Partner-Kompetenz: Die BTP-Competency heißt seit dem 30. Juni 2026 BAIP-Competency.
Brauchen wir die Business Data Cloud, um SAP Business AI einzusetzen?
Nicht zwingend. Einzelne Anwendungsfälle lassen sich weiterhin direkt über AI Core und vorhandene Schnittstellen umsetzen. Sobald mehrere Fachbereiche auf dieselben Daten zugreifen sollen, verlagert sich der Aufwand allerdings von der Modellanbindung zur Datenbereitstellung, und genau dort setzt die Business Data Cloud an.
Ändert die Umbenennung etwas an Lizenzen oder Kosten?
Nach heutigem Stand nicht. Verbrauchsmodelle wie CPEA und die Abonnements einzelner Dienste laufen unverändert weiter. Kostenrelevant sind weiterhin Architekturentscheidungen — etwa wie viele Nachrichten oder Laufzeitstunden ein Entwurf erzeugt — und nicht der Name der Plattform.
Wir haben eine BTP-Ausschreibung laufen. Müssen wir sie anpassen?
In der Regel nicht mitten im Verfahren. Sinnvoll ist ein Hinweis, dass BTP und Business AI Platform dieselbe Plattform bezeichnen, damit Angebote mit unterschiedlicher Wortwahl vergleichbar bleiben. Für neue Unterlagen empfehlen wir, beide Begriffe einmal nebeneinander zu nennen.